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Matter 1.5.1 Update: Smarte Kameras & Videotürklingeln jetzt standardisiert

Freitag, 3. April 2026·4 Min. Lesezeit

Foto: Sebastian Scholz (Nuki) auf Unsplash

Matter 1.5.1 ist da – und bringt Sicherheitskameras endlich ins gemeinsame Smart-Home-Ökosystem. Was das neue Update konkret kann, wo es noch hakt und was du in Sachen Datenschutz wissen solltest.

Endlich: Kameras sprechen Matter

Wer mehrere Sicherheitskameras zuhause hat, kennt das Problem: Kamera A läuft nur in App A, Kamera B braucht zwingend den Cloud-Account von Hersteller B – und eine gemeinsame Übersicht gibt es nicht. Genau das soll sich jetzt ändern. Die Connectivity Standards Alliance (CSA) hat Matter 1.5.1 veröffentlicht – ein Wartungsupdate zum herstellerübergreifenden Smart-Home-Standard, das vor allem die im November 2025 mit Version 1.5 eingeführte Kameraunterstützung weiterentwickelt.

Der Smart-Home-Standard Matter ermöglicht es, Geräte unterschiedlicher Hersteller in einer App nach Wahl einzurichten und zu steuern, ohne auf proprietäre, plattformabhängige Systeme zurückgreifen zu müssen. Mit 1.5 hält nun endlich die Gerätekategorie Einzug, auf die viele gewartet haben. Unterstützt werden gängige Innen- und Außenkameras, aber auch Videotürklingeln sowie Kameras mit Schwenk- und Neigefunktion (PTZ-Funktionalität).

Sicherheitskameras gehören zwar zu den meistgekauften Smart-Home-Geräten, waren aber bisher besonders wenig vereinheitlicht. Die meisten Haushalte arbeiten mit einer eigenen App pro Marke, dazu Cloud-Aufzeichnung und erweiterte Funktionen oft nur gegen Abo-Gebühr. Matter soll diesen Wildwuchs beenden – zumindest auf der Steuerungsebene.

Was Matter 1.5.1 konkret verbessert

Das Update bringt kein grundlegend neues Feature, sondern schärft das, was mit 1.5 eingeführt wurde. Das wichtigste Thema: Streaming-Effizienz. Bisher mussten für verschiedene Abnehmer – etwa Endgeräte oder Plattformen – jeweils eigene Streams aufgebaut werden. Mit der neuen Fähigkeit kann eine Kamera mehrere optimierte Streams gleichzeitig liefern, etwa einen hochauflösenden für die Aufzeichnung, eine mobiloptimierte Version mit geringerer Auflösung und einen weiteren für die KI-basierte Bildanalyse.

Dazu kommen Verbesserungen bei den Medienformaten: Snapshot-Bilder lassen sich nun auch im HEIC-Format übertragen. Für aufgezeichnete Videos unterstützt Matter 1.5.1 zudem HLS- und DASH-Uploads über das CMAF-Interface-2-Profil. Das klingt technisch, hat aber einen praktischen Nutzen: HEIC liefert bessere Bildqualität bei kleineren Dateigrößen als JPEG – das reduziert Bandbreite und Speicherbedarf bei bewegungsausgelösten Aufnahmen.

Auch bei PTZ-Kameras hat die CSA nachgebessert. Das Pan-Tilt-Zoom-Verhalten wurde optimiert, die Installation vereinfacht und die Unterstützung zur gleichzeitigen Nutzung in mehreren Systemen verbessert. Für Türklingeln gibt es ebenfalls ein kleines Upgrade: Chime-Geräte erhalten die Möglichkeit, einen bestimmten Klingelton abzuspielen statt nur den Standard-Ton. Damit lassen sich beispielsweise verschiedene Töne für Eingang und Nebeneingang hinterlegen – oder saisonal passende Sounds abspielen.

Datenschutz und lokale Kontrolle: Was der Standard regelt

Gerade bei Kameras ist die Datenschutz-Frage zentral. Matter setzt hier auf einen lokal-orientierten Ansatz: Matter ist primär für lokale Steuerung ausgelegt, sodass Grundfunktionen auch dann laufen, wenn die Cloud des Herstellers ausfällt. Ein standardisiertes Fundament verkleinert außerdem den Lock-in-Effekt und erleichtert das Kombinieren verschiedener Marken.

Audio und Video werden über den offenen WebRTC-Standard gestreamt, der Zwei-Wege-Kommunikation sowohl im Heimnetzwerk als auch über das Internet ermöglicht – einen kompatiblen Matter-Hub vorausgesetzt. Für Datenschutz-bewusste Nutzer besonders relevant: Die Spezifikation unterstützt konfigurierbare Erkennungs- und Privatsphärenzonen sowie flexible Aufzeichnungsoptionen – kontinuierlich oder ereignisbasiert, lokal oder in der Cloud.

Wichtig zu wissen: Die Verwaltung von Aufnahmen und deren Wiedergabe ist nicht Teil des Matter-Standards – diese Funktionen hängen maßgeblich von der jeweiligen Plattform oder den Spezifikationen des Herstellers ab. Ob und wie deine Videodaten in der Cloud landen, entscheidet also weiterhin der Hersteller selbst. Matter schafft nur den gemeinsamen Nenner für Steuerung und Streaming.

Welche Plattformen und Geräte mitmachen

Die Spezifikation ist da – aber die Umsetzung braucht Zeit. Bisher hat nur Samsung SmartThings die Kamera-Features aus Matter 1.5 in sein Ökosystem integriert. Die SmartThings-Unterstützung umfasst Live-Streaming, gespeicherte Clips, Zwei-Wege-Kommunikation, Bewegungserkennung, erweiterte Kameraeinstellungen, Ereignisverlauf sowie Bewegungs- und Privatsphärenzonen.

Bei den Geräteherstellern tut sich ebenfalls etwas: Die erste Matter-Kamera mit Zertifizierung kommt wohl von Aqara – vermutlich nach dem Modell G350 mit Dual-Kamera und Zoom-Funktion. Aqara hatte angekündigt, die ersten Matter-fähigen Kameras in der ersten Jahreshälfte 2026 zu veröffentlichen, mit weiteren Modellen per Firmware-Update.

Für Nutzer von Apple Home, Google Home oder Amazon Alexa heißt es noch etwas warten: Der Matter-1.5-Release könnte vor allem für Apple-Home-Nutzer bedeutsam werden, die bisher auf eine vergleichsweise kleine Auswahl an kompatiblen Kameras angewiesen waren. Ob Anbieter wie Ring oder Google ihre Produkte für Apple Home fit machen werden, bleibt abzuwarten.

Matter 1.5.1 ist kein großes Feature-Release – es tut das, was ein Maintenance-Update tun soll: Es beseitigt Lücken und Inkonsistenzen, die beim ersten Rollout der Kameraunterstützung entstanden sind. Die Richtung stimmt. Für eine Sicherheitskamera, die heute ohne Abo-Zwang und Hersteller-Lock-in in jede Smart-Home-Plattform eingebunden werden kann, muss man aber wohl noch bis Ende 2026 Geduld mitbringen.

Quellen: smarthomeassistent.de, matter-smarthome.de, csa-iot.org, homekits.de, graniteriverlabs.com

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