Matter 1.5 bringt endlich Kameras und Video-Türklingeln in den offenen Smart-Home-Standard. Was das konkret für dein Zuhause bedeutet, welche Hersteller schon mitmachen – und wo du noch etwas Geduld brauchst.
Endlich: Kameras sprechen Matter
Wenn du dein Smart Home über die Jahre aufgebaut hast, kennst du das Problem: Die Kamera von Hersteller A läuft nur in dessen eigener App, die Türklingel von Hersteller B will unbedingt eine eigene Cloud-Anbindung, und dein bestehendes Smart-Home-System schaut dabei einfach zu. Sicherheitskameras gehören zu den meistgekauften Smart-Home-Geräten – und gleichzeitig zu den am wenigsten vereinheitlichten. Die meisten Haushalte kämpfen sich mit einer proprietären App pro Marke durch, dazu kommen Abokosten für Cloud-Aufzeichnungen.
Mit Matter 1.5 ändert sich das grundlegend. Version 1.5 der Spezifikationen fügt Kameras als neuen Gerätetyp hinzu. Hersteller können jetzt Überwachungskameras bauen, deren Bild ökosystemübergreifend funktioniert. Matter-fähige Kameras brauchen dafür weder eigene APIs noch individuelle Integrationen. Die Connectivity Standards Alliance (CSA) hat den Standard im November 2025 veröffentlicht – und die ersten Geräte stehen bereits in den Startlöchern.
Was Matter 1.5 bei Kameras konkret kann
Als Nutzer profitierst du von der Möglichkeit, verschiedenste Kameratypen – von Doorbell-Cams über Outdoor-Kameras bis hin zu Babycams – plattformübergreifend einzusetzen. Zu den unterstützten Funktionen zählen Live-Videostreaming, Zwei-Wege-Kommunikation, Bewegungserkennung, Ereignishistorie und Pan-Tilt-Zoom-Steuerung (PTZ).
Technisch setzt Matter dabei auf einen etablierten Übertragungsweg: Die Übertragung basiert auf WebRTC (Web Real-Time Communication), einer Technologie für die verschlüsselte Übertragung von Audio- und Videoströmen. Den gleichen Standard nutzen übrigens Videokonferenz-Plattformen wie Zoom oder Google Meet – er ist also erprobt und sicher.
Ein weiterer Pluspunkt: Matter-Kameras unterstützen vollständig Multi-Admin und erlauben es, dass mehrere Ökosysteme gleichzeitig denselben Videostream einer Kamera abrufen – sofern die verfügbare Bandbreite dafür ausreicht. Du kannst dieselbe Kamera also gleichzeitig in Apple Home und Google Home anzeigen lassen.
Wichtig zu wissen: Matter definiert bewusst keine Standards für Videoclip-Wiedergabe, Cloud-Speicher oder KI-Auswertungen auf der Kamera – diese Bereiche bleiben in der Verantwortung der einzelnen Plattformen. Erweiterte Features wie intelligente Personenerkennung oder Cloud-Archiv bleiben also weiterhin herstellerabhängig.
Erste Geräte und der Stand der Plattformen
Den Anfang macht Aqara: Das Unternehmen hat die Camera Hub G350, eine verkabelte Indoor-Pan-Tilt-Kamera mit Doppellinse, sowie die Doorbell Camera G400 (Wired) veröffentlicht. Die Camera Hub G350 ist die erste Kamera mit Matter-Unterstützung – und wird damit theoretisch mit jeder der großen Smart-Home-Plattformen funktionieren.
Auch TP-Link hat sich positioniert: Das Unternehmen plant, seinen bereits erhältlichen Modellen Tapo C260 und Tapo C560WS entsprechende Matter-Fähigkeiten per Firmware-Update zu geben. Matter 1.5 ermöglicht es Herstellern grundsätzlich, bestehende Geräte per Software-Update nachzurüsten – allerdings liegt das allein im Ermessen der jeweiligen Firma.
Auf der Plattformseite ist Samsung SmartThings bereits vorgeprescht: SmartThings bewegt sich in einem rasanten Tempo und hat bereits kurz nach Veröffentlichung von Matter 1.5 die vollständige Implementierung angekündigt. Bislang hat allerdings nur Samsung Matter 1.5 aufgegriffen. Apple, Google und andere sollten hoffentlich bald nachziehen. Amazon hat hingegen erklärt, dass aktuelle Ring- und Blink-Kameras die notwendige Hardware für Matter nicht mitbringen – das könnte sich aber mit der nächsten Generation ändern.
Datenschutz und was dich das alles wirklich angeht
Gerade beim Thema Kameras ist Datenschutz keine Randnotiz. Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Lösungen: Mit Matter kannst du WLAN-Kameras künftig ohne vorherigen Setup in der Hersteller-App einrichten und über übergreifende Steuerplattformen wie Amazon, Apple, Google, Samsung oder Home Assistant betreiben. Weniger App-Konten, weniger Cloud-Dienste, weniger potenzielle Angriffsflächen.
Wer maximale Kontrolle möchte, kann auf Home Assistant setzen: Eine einzige Oberfläche für Licht, Heizung, Kameras, Saugroboter und mehr – alles lokal, alles schnell, alles unter eigener Kontrolle. Home Assistant hat die Unterstützung für Matter-Kameras auf der Roadmap; für Video-Türklingeln müssen zunächst noch Dinge wie Zwei-Wege-Audio vollständig implementiert werden.
Fazit: Matter 1.5 ist kein Versprechen mehr, sondern ein konkreter Standard mit echten Produkten. Wer gerade eine neue Kamera oder Türklingel kaufen möchte, sollte gezielt nach dem Matter-Logo Ausschau halten – und parallel prüfen, ob die eigene Plattform (Apple Home, Google Home etc.) Matter 1.5 schon unterstützt. Viele Ökosysteme stecken noch bei Matter 1.2 oder 1.3 fest – die Hersteller-App bleibt also in manchen Fällen noch eine Weile die zuverlässigere Wahl.
Quellen: digital-magazin.de, matter-smarthome.de, heise.de, smarthomeassistent.de, gizmodo.com, nextpit.com, macrumors.com, tomsguide.com, matteralpha.com
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