Materna hat auf der Berliner Abschlusskonferenz von SmartLivingNEXT gezeigt, wie ein souveräner Datenraum dein Smart Home, deinen Energieverbrauch und Gesundheitsservices datenschutzkonform verbindet – ganz ohne zentrale Datenspeicherung. Was steckt
Wenn dein Zuhause endlich mit der Welt spricht – aber deine Daten trotzdem bei dir bleiben
Smart Home, Solaranlage, Wärmepumpe, Pflegesensor – all diese Systeme erzeugen pausenlos Daten. Das Problem: Viele dieser Daten sind in Gebäuden bereits vorhanden, entstehen durch Smart Meter, IoT-Sensorik oder digitale Assistenzlösungen – bleiben aber häufig in einzelnen Systemen eingeschlossen. Jede App redet nur mit sich selbst, jedes Gerät hütet seine Zahlen eifersüchtig. Das Ergebnis ist ein digitaler Flickenteppich, der weder dir noch der Energiewende hilft.
Genau das wollte das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Forschungsprogramm SmartLivingNEXT ändern. Das Ministerium förderte im Programm sieben Verbundprojekte mit Begleitforschung mit insgesamt 25 Millionen Euro. Auf der Berliner Abschlusskonferenz im Mai 2026 hat Materna nun die zentralen Ergebnisse präsentiert – und gleichzeitig Unternehmen, Startups sowie die Wohnungswirtschaft eingeladen, das Datenökosystem weiterzuentwickeln.
Kein neues Datensilo, sondern ein Datenraum mit Spielregeln
Der Kerngedanke klingt simpel, ist technisch aber anspruchsvoll: Der SmartLivingNEXT-Datenraum soll bestehende Datensilos überwinden, ohne Daten zentral zu sammeln oder vorhandene Fachsysteme zu ersetzen. Stattdessen verbindet er, was schon da ist.
Der Datenraum arbeitet auf drei Ebenen: vom intelligenten Gebäude, das Daten sammelt, über den digitalen Betrieb, in dem diese Daten wirtschaftlich genutzt werden, bis hin zum Gebäude als Teil von Quartieren, Kommunen und branchenübergreifenden Infrastrukturen. Konkret bedeutet das: Dein Energieverbrauch kann mit dem Energieversorger geteilt werden, ohne dass ein Dritter dauerhaft Zugriff auf alle deine Gebäudedaten bekommt.
Filip Milojkovic, Teamleiter Data Management & AI bei Materna und Projektleiter bei SmartLivingNEXT, bringt es auf den Punkt: "SmartLivingNEXT ist keine neue zentrale Plattform, die alle Daten an sich zieht." Vertrauen entsteht über ein klar definiertes Identitäts- und Zertifikatsmodell, Rollen und Verträge sowie maschinenlesbare Regeln für die Datennutzung. Die Daten wandern also nicht irgendwohin – sie bleiben, wo sie entstehen, und werden nur nach klaren Regeln nutzbar gemacht.
Was du davon hast: Energie sparen, Pflege unterstützen, Kosten senken
Theorie ist schön – aber was bringt dir das im Alltag? Materna hat auf der Konferenz zwei konkrete Werkzeuge vorgestellt:
- Energieeffizienzdatenportal: Das Portal zeigt, wie insbesondere Länder und Kommunen gesetzliche Berichtspflichten KI-gestützt erfüllen können. Über den Datenraum werden erstmals reale Verbrauchsdaten mit Daten zur Gebäudesubstanz zusammengeführt, um Maßnahmen im Rahmen der Wärmeplanung hinsichtlich tatsächlich zu erwartender Einsparpotenziale bewerten zu können.
- SmartLivingNEXT-App: Die App macht Energieverbräuche und Kosten transparenter und kann Vermieter sowie Mieter in Mehrfamilienhäusern beim Energiesparen und bei Mieterstrommodellen unterstützen.
Der Ansatz greift aber weit über den Stromzähler hinaus. Die möglichen Anwendungen reichen von Energieeffizienz und Hitzeschutz über Schimmelprävention bis hin zu Assistenzservices für ältere oder pflegebedürftige Menschen. Im Projekt GAiST zum Beispiel geht es um gesundheitsorientiertes Wohnen für ältere Menschen – rund 500 Wohnungen sollen mit Ambient-Assisted-Living-Szenarien ausgestattet werden, in denen Sensoren gesundheitsrelevante Informationen sammeln, analysieren und an ein Krankenhaus-Informationssystem anbinden.
Auch ein oft unterschätzter Vorteil steckt im System: Wer etwa den Stromanbieter wechselt, kann weiterhin auf seine historischen Verbrauchsdaten zugreifen oder diese dem neuen Anbieter bereitstellen – ein Lock-in-Effekt, wie er bei proprietärer Datenhaltung entsteht, wird damit vermieden.
Was nach dem Forschungsprogramm passiert – und wer jetzt einsteigen kann
Das Forschungsprogramm ist abgeschlossen, doch der Datenraum soll weiterleben. Nach dem Ende des Forschungsprogramms soll das SmartLivingNEXT-Datenökosystem weitergeführt und für neue Teilnehmende geöffnet werden. Materna engagiert sich dafür, den Datenraum in einer Übergangsphase technisch stabil zu betreiben und ein strukturiertes Onboarding für neue Partner zu ermöglichen.
Das Ziel ist dabei nicht weniger als eine europäische Antwort auf die Frage, wem die Daten in deinem Zuhause gehören. SmartLivingNEXT will digitale Souveränität in Deutschland und Europa ermöglichen und eine Basis für souveräne KI-Services für Bewohner, Wohnungsunternehmen, Länder und Kommunen sowie Energieversorger, Pflegedienstleister und weitere Marktteilnehmer schaffen.
Für die Wohnungswirtschaft bedeutet das konkret eine neue Rolle: Wohnungsunternehmen müssen nicht selbst digitale Endservices entwickeln. Sie können stattdessen Datenzugänge, Gebäudeinfrastruktur und Mieterkommunikation so bereitstellen, dass neue Dienstleistungen im Quartier entstehen. Wer als Startup, Energieversorger oder Pflegedienstleister Teil dieses Ökosystems werden will, hat jetzt die Chance, früh einzusteigen.
Quellen: Presse Control, Materna Newshub, Materna Blog, SmartLivingNEXT.de
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